Die Auswirkungen von Covid-19 auf Gewerbe und Handwerk

Gewerbe und Handwerk spielen in der österreichischen Wirtschaft eine zentrale Rolle: Der wirtschaftliche Beitrag lässt sich mit 236.000 Betriebe, rund 800.000 ArbeitnehmerInnen und 101,9 Mrd. Euro Nettoumsatz im Jahr 2019 beziffern. Covid-19 hat auch hier seine Spuren hinterlassen. Die WKO, Bundessparte Gewerbe und Handwerk hat mit der KMU Forschung Austria und dem Wirtschaftsforschungsinstitut Economica den wirtschaftlichen Schaden untersucht und erhoben, mit welchen Gegenmaßnahmen die Betriebe ergriffen haben. Die Nachhaltigkeit der Umsatz- und Ergebniseinbußen wird in einem Ausblick analysiert.

Erwartungsgemäß verzeichneten Auftragslage und Umsätze einen starken Rückgang, durchschnittlich betrug dieser -21% im März, -31% im April und -17% im Mai. Der gesamte Umsatzentgang von März bis Mai 2020 beläuft sich auf 5,8 Mrd. Euro bzw. 5,7% des Jahresumsatzes. Innerhalb der Sparte sind deutliche Unterschiede zwischen den Branchen zu beobachten. Sektoren mit starker Orientierung am Endverbraucher wie Gesundheit/Wellness und Kreativ/Design waren am stärksten betroffen, Unternehmen, welche anderen Betrieben zuarbeiten, am wenigsten. Während Friseure einen Gewinneinbruch von fast zwei Drittel hinnehmen müssen, sind Tischler und Holzgestalter von einer Reduktion um fast die Hälfte betroffen. Um jeweils ein Drittel sinkt der Gewinn bei Elektrotechnikern und Fleischern.

Typische Covid-19-Krisenphasen ausgewählter Branchen im Gewerbe und Handwerk, Quelle: Economica

Obwohl fast alle Betriebe Maßnahmen ergriffen, kommt es zu massiven Gewinneinbrüchen. In zahlreichen Branchen des Gewerbes und Handwerks bleibt der sich ergebende Unternehmerlohn im Jahr 2020 unter dem kollektivverträglichen Mindestlohn. Der Abbau von Urlaub und Überstunden sowie die Covid-19-Kurzarbeit waren die wichtigsten Maßnahmen, und wurden von rund der Hälfte der Betriebe umgesetzt. Mit dem Verzicht auf den Einkauf von Waren, Material und Fremdleistungen sowie Abbruch von Investitionsvorhaben von 36% bzw. 31% wurden weiters Kosten bzw. Liquidität eingespart. Auch Steuerstundungen, Beantragungen beim Härtefallfonds und Stundungen bzw. Ratenzahlung bei der Sozialversicherung gehören zu den ergriffenen Überbrückungsmaßnahmen.

Die ergriffenen Strategien sowie die Aufhebung des Lockdowns führten zu einer ersten Besserung: So konnten 22% der Betriebe bereits wieder am Vorkrisenniveau anknüpfen. Zwei Drittel der Betriebe gehen von einer Erholung von September bis November aus 2020 aus. Eine Rückkehr auf das Auftrags- und Umsatzniveau der Vorkrisenzeit sieht ein Drittel allerdings erst im Jahr 2021 oder später. Deutlich wird die finanzielle Belastung auch in der Investitionsplanung: Im Jänner wollte noch etwa die Hälfte der Gewerbe- und Handwerksbetriebe für das laufende Jahr Investitionen tätigen. Im Mai waren es nur noch 21%.

Positiv ist, dass die vier analysierten Gewerbe- und Handwerksbranchen (im Durchschnitt) trotz Covid-19-Pandemie auch 2020 Gewinne erzielen werden. Das zeigt, dass die Geschäftsmodelle im Gewerbe und Handwerk in zentralen Bereichen – natürlich abhängig von der Stellung im Wertschöpfungsprozess – „krisensicher“ sind.

Angewandte Methoden

Die KMU Forschung Austria führt viermal jährlich die Konjunkturbeobachtungen Gewerbe und Handwerk durch. Im 2. Quartal 2020 wurden Zusatzfragen zu Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie im Zeitraum Ende März bis Ende Mai 2020 gestellt. Antworten von 1.267 Unternehmen sind in die Datenanalyse eingeflossen. Der zwischenbetriebliche Vergleich mit Hilfe von betriebswirtschaftlichen Kennzahlen wurde auf Basis der Bilanzdatenbank der KMU Forschung Austria durchgeführt.

In den Szenarioanalysen werden Maßnahmen, die von den Gewerbe- und Handwerksbetrieben zur Verbesserung der Kostensituation ergriffen wurden (z.B. Kurzarbeit zur Senkung der Personalkosten), berücksichtigt. Ausgehend von der Betroffenheit der ausgewählten Branchen werden die Phasen der Krise analysiert, um in weiterer Folge die Szenarien zu den betriebswirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise im Detail darzustellen.

Ihr Ansprechpartner bei Rückfragen

Mag. Peter Voithofer
Tel.: +43 664 822 85 60
Mail: peter.voithofer@economica.at