Kommunale Covid-19-Schäden

Eine flächendeckende Analyse für sämtliche Städte und Gemeinden

Diese Untersuchung weist die Schäden durch die COVID-19-Pandemie für sämtliche 2.095 Städte und Gemeinden in Österreich aus. Je höher die Säule, desto größer der Schaden, gemessen in Prozent des prä-COVID-„Bruttolokalproduktes“ (also der Bruttowertschöpfung auf Gemeinde-/Stadtebene).

Interpretation

• Evident ist ein enormes West-Ost-Gefälle: Die westlichen Bundesländer erfahren weitaus größere COVID-bedingte Einbußen als die östlichen Bundesländer; Österreich ist sozusagen auf einer zwischen Salzburg und Kärnten verlaufenden Diagonale zweigeteilt;

• Die unterschiedliche Betroffenheit der Kommunen ist wesentlich auf die sektorale Struktur zurückzuführen. Zwar leistet die Industrie auch in Tirol und Vorarlberg einen höheren Wert-schöpfungsbeitrag zur regionalen Wirtschaftsleistung als die Tourismuswirtschaft, doch schlägt hier der Lockdown mit seinen während der Akutphase gegen 100 % gehenden Wertschöpfungsverlusten anteilsmäßig stärker durch.

• Umgekehrt verzeichnen jene Teile Österreichs prozentuell geringere Schäden, die durch technologie- und wissensintensive Wertschöpfung geprägt sind. Daran zeigt sich wiederum die Bedeutung von Industrie und Academia als wichtiger Wohlstandsfaktor.

• Die Bundesregierung hat auf die COVID-19-Pandemie anfänglich – gerade im europäischen Vergleich – rasch, großvolumig und symmetrisch reagiert. Beispielsweise hat sie das Instrument der Kurzarbeit flächendeckend ohne Bundesland- oder Branchendifferenzierung aufgesetzt. Da die wirtschaftlichen Schäden durch COVID-19 aber regional und sektoral asymmetrisch auftreten, sollten ab jetzt stärker differenzierende Maßnahmenausgestaltungen vorgenommen werden. Deren Ziel besteht darin, einerseits die budgetäre Belastung auf Bundesebene in Grenzen zu halten und andererseits eine größtmögliche Schadensminderung zu erreichen. Insbesondere sind nunmehr die Bundesländer nicht zuletzt nach Maßgabe des Subsidiaritätsprinzips verstärkt gefordert.

• Zusätzliche nachfragestimulierende Maßnahmen sind – zumindest in weiten Teilen Österreichs – derzeit nicht erforderlich, und falls doch, sollten diese hochspezifisch aktivitätsorientiert ausfallen.

• Vielmehr bedarf es angebotsseitiger Maßnahmen, die den ohnedies stattfindenden, durch COVID-19 aber noch beschleunigten technologischen Strukturwandel unterstützen und, insoweit erforderlich, auch sozial abfedern. Dazu zählen die Streichung von Förderungen nach dem Gießkannenprinzip, eine stärkere Ausbildung von Innovations- und Technologieförderungen auch in außerindustriellen Sektoren wie der Tourismuswirtschaft, Um- und Aufschulungsmaßnahmen bei un- oder unterbeschäftigten Erwerbspersonen sowie innovative finanzwirtschaftliche Instrumente, nicht zuletzt, um wettbewerbsfähige Betriebsgrößen zu ermöglichen.

Angewandte Methoden

Im Zuge der COVID-19-Pandemie hat Economica im Auftrag der Industriellenvereinigung auf Basis der COVID-19-Betroffenheit aller 75 Sektoren der österreichischen Gesamtwirtschaft wöchentliche gesamtwirtschaftliche Prognose-Updates erstellt. Die Prognose vom 14. April in Höhe von -7,6 % ist seitdem unverändert aufrecht.

Die jeweilige Branchenbetroffenheit zugrundelegend, wurde nunmehr unter Heranziehung der sektoralen Aufgliederung des kommunalen Bruttolokalproduktes durch Verschränkung der beiden Datensätze der COVID-19-Impakt für sämtliche Städte und Gemeinden berechnet, d.h. vorstehender grafischer Ausweis beruht auf 157.125 Datenpunkten. Dementsprechend kann es im Einzelfall zu Abweichungen kommen, wenn sich die spezifische COVID-19-Betroffenheit eines relevanten Akteurs (zumeist Unternehmen oder öffentliche Einrichtungen) von der branchendurchschnittlichen Betroffenheit wesentlich unterscheidet.

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