Der ökonomische Fußabdruck des Systems Bahn

Eine exzellente Verkehrsinfrastruktur bildet das Rückgrat leistungsfähiger Volkswirtschaften. Ohne hervorragend ausgebaute Verkehrswege und darauf effizient erbrachte Verkehrsdienstleistungen wäre arbeitsteiliges Wirtschaften nicht möglich. Die vielfältigen Leistungen des Systems Bahn entlang ganz unterschiedlicher volkswirtschaftlicher Wirkungslinien fasst der nachfolgende Überblick zusammen.

Mit 54.000 Beschäftigten generiert das System Bahn einen Umsatz in Höhe von 8,4 Milliarden Euro pro Jahr. Daraus resultiert eine Wertschöpfung von 4,1 Milliarden Euro oder rund 1,4 Prozent der gesamten österreichischen Wirtschaftsleistung des Jahres 2011. Somit erwirtschaftet das System Bahn jeden 73. Wertschöpfungs-Euro in Österreich. (Das System Bahn umfasst die ÖBB und alle weiteren Eisenbahnverkehrsunternehmen sowie die Unternehmen der österreichischen Bahnindustrie, welche bahnspezifische Fahrzeuge und Ausrüstungen für den Eisenbahnverkehr und den schienenrelevanten Nahverkehr produzieren. Nicht in diesen Werten enthalten ist die Wertschöpfung und Beschäftigung kommunaler Verkehrsbetriebe.)

Die österreichische Bahnindustrie ist ein ‚Hidden Champion‘ par excellence. Mit über 8.000 Beschäftigten generiert sie bei einem Umsatz von 2,6 Milliarden Euro eine Wertschöpfung von nahezu einer Milliarde Euro pro Jahr. Ihr Anteil am österreichischen Bruttoinlandsprodukt liegt bei 0,3 Prozent, ihre Exportquote erreicht 71 Prozent. Darüber hinaus fungiert das österreichische System Bahn als Impulsgeber und Referenzmarkt für den Export technologischer Produktkompetenz, sowohl hinsichtlich der Güter als auch der zugehörigen Dienstleistungen.

Der Weltmarktanteil Österreichs im Export von Schienenfahrzeugen und bahnbezogener Ausrüstung beläuft sich auf 6,5 Prozent, das entspricht in absoluten Zahlen dem fünften Platz unter anderem hinter Deutschland und den USA. Bei der Innovationsleistung, gemessen an der Zahl der Patente mit heimischem Erfinderbezug, bildet Österreich sogar die relativ zur Bevölkerungsgröße global führende Innovationsnation. Ohne einen hinreichend großen inländischen Referenzmarkt mit stabiler Nachfrage wären diese außerordentlichen Export- und Innovationserfolge nicht im selben Umfang möglich geworden.

Durch ihre Forschungs- und Entwicklungsinvestitionen (F&E) vor allem in Lokomotiven, Triebwagen und Fahrwegsysteme sowie in elektronische Komponenten des gesamten Bahnnetzwerks agieren die Unternehmen der Bahnindustrie als signifikanter Impulsgeber. Bei den F&E-Investitionen im Bereich Schienenfahrzeugbau liegt Österreich an der Spitze der EU. Bei Patenten im Bereich der Bahntechnologie weist die österreichische Bahnindustrie sogar die weltweit höchste Erfinderdichte pro Kopf auf! Insgesamt wurden binnen einer Dekade 1.170 Patente im Bereich Eisenbahn angemeldet, in deren Entwicklung 771 Erfinder involviert waren. Die österreichische Bahnindustrie ist somit ein Aushängeschild österreichischer Innovationskraft.

Bei Infrastrukturinvestitionen ist zwischen einem kurzfristigen und einem langfristigen Wirkungshorizont zu unterscheiden. Kurzfristig, während der Bauphase, gehen von Infrastrukturinvestitionen gesamtwirtschaftliche Nachfrageimpulse aus, welche stabilisierend auf Wertschöpfung und Beschäftigung sowie auf das Aufkommen an Steuern und Sozialversicherungsabgaben wirken. Langfristig, während der Betriebsphase, setzen Infrastruktur-investitionen darüber hinaus produktivitätserhöhende Angebotsimpulse.

Die Infrastrukturinvestitionen der ÖBB im Auftrag der Bundesregierung werden im Zeitraum von 2013 bis 2020 Bruttowertschöpfungseffekte in Höhe von insgesamt 13,6 Milliarden Euro in Österreich auslösen. Annualisiert entspricht dies einer Wertschöpfung in Österreich von rund 1,7 Milliarden Euro oder einem Beitrag zum österreichischen Bruttoinlandsprodukt in Höhe von etwa 0,6 Prozent. Größenordnungsmäßig kommt dieser Beitrag zur inländischen Wertschöpfung mithin dem (prognostizierten) Wirtschaftswachstum für das Jahr 2012 gleich.

Aus der zu erwartenden Bruttowertschöpfung leiten sich inländische Beschäftigungseffekte während des Zeitraums von 2013 bis 2020 im Ausmaß von rund 192.000 Jahresbeschäftigungsplätzen (Personenjahren) ab – das entspricht etwa 24.000 annualisierten Jahresbeschäftigungsplätzen (in Vollzeitäquivalenten) in der Bauphase. Inländische Klein- und Mittelbetriebe partizipieren an den Investitionsausgaben. In den durch Infrastrukturinvestitionen der ÖBB angeregten Branchen ist der Anteil von Klein und Mittelbetrieben im Vergleich zur Sachgütererzeugung („Herstellung von Waren“) ebenso wie im Vergleich zum Produzierenden Bereich überdurchschnittlich hoch. Der Umsatzanteil der Klein- und Mittelbetriebe in den involvierten Branchen beläuft sich auf 78 Prozent im Vergleich zu 41 Prozent im Durchschnitt der Sachgütererzeugung beziehungsweise 50 Prozent im Produzierenden Bereich.

Neben den kurzfristigen Effekten durch die Infrastrukturerrichtung entstehen durch die Nutzung der Bahninfrastruktur langfristig positive Produktivitätseffekte für den österreichischen Unternehmenssektor sowie Wohlfahrtsgewinne für die Bevölkerung durch ein quantitatives und/oder qualitatives Mehr an Mobilität. Am stärksten fallen die Produktivitätseffekte für den Faktor Arbeit aus, gefolgt vom Faktor (importierte) Vorleistungsgüter (etwa transportkostenintensive Rohstoffe). Langfristig entsteht bei einer dauerhaften Ausweitung des Kapitalstocks pro 68.300 Euro ein zusätzlicher Arbeitsplatz in der österreichischen Gesamtwirtschaft. Analog sind mit einer dauerhaften Ausweitung um ein Prozent rund 3.000 Beschäftigungsverhältnisse verknüpft.

Das System Bahn ist nicht nur innovationsaffin, sondern auch ausbildungsorientiert. Die ÖBB fungieren als der größte Ausbildner für technische Lehrberufe in Österreich. Insgesamt zählen die ÖBB in ihren 27 Lehrlingswerkstätten derzeit knapp 1.900 Lehrlinge in 22 unterschiedlichen Lehrberufen. Drei von fünf Lehrlingen in der Informations- und Telekommunikationstechnik sowie jeder dritte Lehrling in der Maschinenbautechnik erhält bei den ÖBB seine Ausbildung. Zudem gelingt es, junge Frauen für technische Berufe zu begeistern. Die Hälfte aller weiblichen Lehrlinge bei den ÖBB absolviert eine technische Lehre, während der österreichweite Anteil nur zwölf Prozent beträgt. Von dem hohen Stellenwert der Ausbildung zeugt auch der um knapp ein Viertel höhere Anteil der Lehrlinge an der Beschäftigung in der österreichischen Bahnindustrie im Vergleich zum Durchschnitt des gesamten Unternehmenssektors. Gemeinsam leisten ÖBB und Bahnindustrie einen bedeutsamen Beitrag für die Humankapitalbildung und damit die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit Österreichs.

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