Economica ist Projektpartner im EU-Projekt „Justice without Litigation II“ (JuWiLi II). Bei der Konferenz in Zagreb am 19. Juni 2026 präsentierte Vorstandsmitglied DI. Helmut Berrer volkswirtschaftliche Wohlfahrtsmodelle zur Entlastung der Gerichte und zur Verbesserung des Zugangs zum Recht.
Über das Projekt
„Justice without Litigation II“ (JuWiLi II) ist ein von der Europäischen Union im Rahmen des Justizprogramms 2021–2027 kofinanziertes Projekt, das im Jänner 2025 gestartet ist und an den Erfolg des Vorgängerprojekts JuWiLi I (2020–2022) anknüpft. Koordiniert von der Österreichischen Notariatskammer, bringt JuWiLi II 29 Organisationen aus 22 EU-Mitgliedstaaten zusammen, um Lösungen für nicht-streitige gerichtliche Verfahren weiterzuentwickeln.
Im Zentrum steht die Frage, wie Aufgaben der Zivilrechtspflege, etwa in Verlassenschafts- und Scheidungsverfahren, verstärkt von öffentlichen Amtsträgerinnen und Amtsträger wie Notarinnen und Notaren wahrgenommen werden können, ohne dass Verfahrensstandards und Rechtsstaatlichkeit darunter leiden. Das Projekt ist ausdrücklich interdisziplinär angelegt: Rechtswissenschaft, Ökonomie, Verhaltensforschung und Digitalisierung greifen ineinander.
Economica bringt in dieses Konsortium die volkswirtschaftliche Perspektive ein und quantifiziert, welchen gesamtwirtschaftlichen Nutzen die Verlagerung nicht-streitiger Verfahren aus den Gerichten stiftet, sowohl für die Justizsysteme als auch für Bürgerinnen und Bürger.
Konferenz in Zagreb, 19. Juni 2026
Im Anschluss an die Sitzungen der Task Forces „Behavioural“ und „Digitalisation“ war die Kroatische Notariatskammer Gastgeberin einer JuWiLi II-Konferenz in Zagreb. Unter dem Titel „Increasing the efficiency of justice – Innovative concepts for a people-centred justice“ kamen Expertinnen und Experten aus Kroatien und den 22 teilnehmenden Projektpartnerländern zusammen, um erste Projektergebnisse auszutauschen und zu erörtern, wie Systeme der freiwilligen Gerichtsbarkeit effizienter, zugänglicher und stärker an den Bedürfnissen der Bürgerinnen und Bürger ausgerichtet werden können.
Eröffnet wurde die Konferenz von Nada Kemec, Präsidentin der Kroatischen Notariatskammer, Mirela Fučkar, Direktorin im Justizministerium der Republik Kroatien, Vincent Tilman, Generalsekretär des Council of the Notariats of the European Union (CNUE), sowie Stephan Matyk-d’Anjony, JuWiLi II-Projektkoordinator bei der Österreichischen Notariatskammer.
Es folgten interdisziplinäre Vorträge von Prof. Brigitta Lurger (Universität Graz) und Prof. Karl Stöger (Universität Wien) zu Rechtsvergleichung und Rechtsstaatlichkeit, von Helmut Berrer (Economica) zu volkswirtschaftlichen Wohlfahrtsmodellen für die Entlastung der Gerichte und einen besseren Zugang zum Recht, von Axel Sonntag zur Verhaltensökonomie sowie von Alex Dijk zu den neuen Möglichkeiten der Digitalisierung.
Den Abschluss bildete ein zu 100 % weiblich besetztes Panel mit Vertreterinnen aus Kroatien, Belgien, Portugal, Slowenien und Litauen: eine lebhafte Diskussion über einvernehmliche Scheidungen vor Notarinnen und Notaren, in der unterschiedliche nationale Erfahrungen und Best Practices beleuchtet wurden.
Ausblick
Bis zum Projektabschluss werden die Ergebnisse weiter vertieft und in konkrete Reformempfehlungen für die 22 teilnehmenden EU-Staaten und die europäische Ebene übersetzt. Nächste Station ist die Abschlussveranstaltung am 3. Dezember 2026 in Brüssel.
Weiterführende Links
- Projektwebsite: juwili.eu
- Veranstaltungsübersicht des Projekts: juwili.eu/events
- LinkedIn-Beitrag zur Konferenz in Zagreb: LinkedIn-Link
Kontakt bei Economica:
DI. Helmut Berrer,
Mitglied des Vorstands,
helmut.berrer@economica.eu